google892526f0f906e928.html
© Christoph Rammacher 2018
Chemnitz 
Nach Plan B: Berlin kommt Plan C: Chemnitz. Gefunden nach günstigster Mietwohnungssuche 200km rund um Berlin. Seit April 2017 also neuer Lebensmittelpunkt in der Stadt der Moderne. Hier lässt es sich ganz entspannt leben und arbeiten.
Ohne Titel (Marx am Boden) 2018
…wie zu sehen ist, laufen die Vorbereitungen für meine Teilnahme an der Gruppenausstellung “CKB+VIER” im Chemnitzer Künstlerbund. Eröffnung am Dienstag, dem 17. April 2018, 19 Uhr.
…ich zeige vor allem Skulpturen und aus aktuellem Anlass - 200. Geburtstag von Karl Marx, dem Namensgeber von Chemnitz zu DDR Zeiten: Karl-Marx-Stadt - meine Skulptur “ohne Titel (Marx am Boden)”
…und das schreibt Cornelia Posselt, Kunsthistorikerin und Museologin,    aktuell wissenschaftliche Volontärin in den Kunstsammlungen Chemnitz:
Der Prophet in der Postmoderne. Christoph Rammachers Objekt „Ohne Titel (Marx am Boden)“ Wie lässt sich ein ortsfremder Künstler auf eine Stadt ein, die selbst für ihre Bewohner einen sperrigen Charme besitzt? Christoph Rammacher wagt sich direkt nach seiner Ankunft an das Wahrzeichen der jüngsten Vergangenheit, das Karl-Marx-Monument. Geboren im Saarland ganz im Westen der Bundesrepublik und Absolvent der HBKsaar, lockten ihn die günstigen Chemnitzer Ateliermieten in den wilden Osten. Seit 1971 thront der 7,10 Meter hohe Bronzekopf des Theoretikers, entworfen vom sowjetischen Bildhauer Lew Kerbel, auf einem quadratischen Granitsockel auf der Brückenstraße im Stadtzentrum. Mehrmals wurde das unbequeme Denkmal nach der Wende künstlerisch themati- siert, sei es durch Freiluftkonzerte, dem „Temporary Museum of Modern Marx“ (2008) oder dem „ Sprechenden Marx“ (2016). Als Herausforderung erwiesen sich dabei stets die gewaltige Monu- mentalität, die Übermächtigkeit des Denkerkopfes und seine formale Strenge. Einer Plastik innewohnende Qualitäten, die der Bildhauer Kerbel mit dem verkopften Marx auf die Spitze trieb. All diese Eigenschaften werden vom Objekt „Ohne Titel (Marx am Boden)“ von 2017 in Frage gestellt. Geschrumpft auf menschliches Maß, aus leichtem Draht und bunter Werbefolie gewirkt, liegt er gar zu Füßen des Betrachters. Statt der edlen Bronze dominiert ein industriell hergestelltes und massenmedial verwendetes Material das Äußere. Seit seinem Studium setzt der Künstler diese Folie für so genannte Tape Art-Objekte ein. Sie ist robust, farb- und formstabil, gleichzeitig entfaltet sie eine Signalwirkung, die sich auf die Kunst überträgt und Assoziationen zur Pop Art weckt. Entgegen ihrer ursprünglichen Verwendung wird die glatte Oberfläche dabei Schicht für Schicht handmodelliert und geknittert.Marx bleibt Marx und doch wieder nicht, denn in der Verbindung der bedeutungstragenden Farben zeigt sich die Flexibilität von Christoph Rammachers Denken. Rot, das passt ganz offensichtlich zum Vordenker des Kommunismus. Das Chemnitzer Himmelblau dagegen kennzeichnet allzu menschliche Eigenschaften des Gesichts: Bartstoppeln, Stirn- und Lidfalten, sowie das bewegte Kopfhaar. Im Innern angebracht ist eine goldene Partie um Augen und Mund, die an antike Krönungs- oder Totenmasken erinnert und mit Marx‘ Ideen kontrastiert. So übernimmt das Objekt seine Dekonstruktion gleich selbst und ist damit im bestmöglichen Sinne postmodern. Dazu passt auch der gestalterische Eingriff am Hinterkopf: Das gewaltige Marx-Hirn, das seine Ausdehnung bei Lew Kerbel unter einem kantigen Haarschopf verbirgt, wird hier frei- gelegt und auf feine, miteinander verbundene Stege reduziert. Die eigentlichen grauen Zellen fehlen im Innern – dennoch scheint sich ein  wahres Synapsengewitter in den Nervenbahnen zu vollziehen. Am Oberkopf wird eine weitere Öffnung sichtbar, die ebenfalls organisch angelegt ist. Sind es Blätter, die sich sanft zu einer Krone öffnen, oder eruptive Gedanken, die sich in einem lodernden Feuerkrater entladen? Und wie kann ein leerer Kopf überhaupt etwas hervorbringen? Weitere Öffnungen an Augen, Mund und Hals helfen die Intention des Künstlers zu entschlüsseln: Der Kopf beinhaltet ein spielerisches Moment. Er ist kein gesockeltes Denkmal, sondern eine Maske. Im Zeitalter des Individualismus und vorgeblicher Authentizität kann eine solche Kostümierung, eine solche Maske durchaus kritisch gedeutet werden. Ihr haftet das Vorurteil der Stilisierung und Ver- einfachung, des Geheimen und Okkulten, ja Kriminellen an. Als traurige Charaktermaske sah Karl Marx den Menschen in der Personifikation seiner ökonomischen Verhältnisse. Bei vielen Theater- formen auf der ganzen Welt, der Commedia dell’Arte oder der Peking-Oper war und ist sie jedoch probates Hilfsmittel, um in eine ganz bestimmte Rolle zu schlüpfen und eine Geschichte zu erzählen. Im Karneval oder beim Maskenball wurden und werden damit Herrschende karikiert und Standes- unterschiede überwunden. Als Gesichtsschutz oder Tarnung erfüll(t)en sie ihren Zweck in Gladia- torenkämpfen oder im Wrestling. Diverse Stammeskulturen nutz(t)en Masken zur Darstellung von Vorfahren oder Geistern oder für ihre Beschwörung durch Schamanen. Bereits erwähnt wurden die wertvollen Goldmasken in der Antike, die den Rang der Person unterstrichen. Kurzum: Masken schränken vielleicht zunächst ein, bieten aber auch Möglichkeiten. Christoph Rammachers Marx-Maske ist auch deshalb so entwaffnend, weil sie ihre innere Leere im Gegensatz zu Lew Kerbels ebenfalls hohlen Bronzekopf offen zu erkennen gibt. Der Prophet und seine Ideen sind nur tot, solange sich niemand des Kopfes bemächtigt. Allein das nobilitierende Er- heben des Objekts vom Boden (oder die bewusste Ablehnung dieses Akts) kann eine sinnstiftende Geste sein, so sieht es der Künstler. Bereits skizzierte ästhetische Brüche sowie die Maßstabver- schiebung – der Kopf ist etwas größer als der durchschnittliche menschliche Schädel – lassen dabei immer das Artifizielle der Situation aufscheinen. Äußere und innere Sicht wechseln sich per- manent ab, ein Merkmal, das der Künstler für viele seiner Werke nutzt. Neben dieser perforativen Qualität kann die Maske auch als performatives Mittel gesehen werden. Unabhängig vom Künstler interagieren die Nutzer mit dem Objekt, und mit anderen Nutzern. Dabei entspinnen sich Be- ziehungen des Vorher, Währenddessen und des Nachher. Die Welt durch die Augen von Marx erschließt sich, „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“ Der Schutz der Maske ermutigt aber auch zum Aussprechen eigener Meinungen. Der Künstler stellt so die Ver- bindung her vom Überbau des Marx-Kopfes zur Basis, also zum Ich. Endlich kann der denkende Marx auch zupacken und ist zumindest den Nutzern weniger entfremdet. Welche Botschaft nach diesem Erlebnis in die Welt getragen wird, bleibt offen. Christoph Rammacher hofft als politischer Mensch mindestens auf neue Visionäre für Chemnitz.
Nach Plan B: Berlin kommt Plan C: Chemnitz. Gefunden nach günstigster Mietwohnungssuche 200km rund um Berlin.  Seit April 2017 ist also mein neuer Lebensmittelpunkt in der  Stadt der Moderne.  Hier lässt es sich ganz entspannt leben  und arbeiten.
Ohne Titel (Marx am Boden) 2018
…und das schreibt Cornelia Posselt, Kunsthistorikerin und Museologin, aktuell wissenschaftliche Volontärin in den Kunstsammlungen Chemnitz:
© Christoph Rammacher 2018
Der Prophet in der Postmoderne. Christoph Rammachers Objekt „Ohne Titel (Marx am Boden)“ Wie lässt sich ein ortsfremder Künstler auf eine Stadt ein, die selbst für ihre Bewohner einen sperrigen Charme besitzt? Christoph Rammacher wagt sich direkt nach seiner Ankunft an das Wahrzeichen der jüngsten Vergangenheit, das Karl-Marx-Monument. Geboren im Saarland ganz im Westen der Bundesrepublik und Absolvent der HBKsaar, lockten ihn die günstigen Chemnitzer Ateliermieten in den wilden Osten. Seit 1971 thront der 7,10 Meter hohe Bronzekopf des Theoreti- kers, entworfen vom sowjetischen Bildhauer Lew Kerbel, auf einem quadratischen Granitsockel auf der Brückenstraße im Stadtzentrum. Mehrmals wurde das unbequeme Denkmal nach der Wende künstlerisch thematisiert, sei es durch Freiluftkon- zerte, dem „Temporary Museum of Modern Marx“ (2008) oder dem „Sprechenden Marx“ (2016). Als Herausforderung erwiesen sich dabei stets die gewaltige Monumentalität, die Übermächtigkeit des Denkerkopfes und seine formale Strenge. Einer Plastik innewohnende Qualitäten, die der Bildhauer Kerbel mit dem verkopften Marx auf die Spitze trieb. All diese Eigenschaften werden vom Objekt „Ohne Titel (Marx am Boden)“ von 2017 in Frage gestellt. Geschrumpft auf menschliches Maß, aus leichtem Draht und bunter Werbefolie gewirkt, liegt er gar zu Füßen des Betrachters. Statt der edlen Bronze dominiert ein industriell hergestelltes und massenmedial verwendetes Material das Äußere. Seit seinem Studium setzt der Künstler diese Folie für so genannte Tape Art-Objekte ein. Sie ist robust, farb- und formstabil, gleichzeitig entfaltet sie eine Signalwirkung, die sich auf die Kunst überträgt und Assoziatio- nen zur Pop Art weckt. Entgegen ihrer ursprünglichen Verwen- dung wird die glatte Oberfläche dabei Schicht für Schicht hand- modelliert und geknittert.Marx bleibt Marx und doch wieder nicht, denn in der Verbindung der bedeutungstragenden Farben zeigt sich die Flexibilität von Christoph Rammachers Denken. Rot, das passt ganz offensichtlich zum Vordenker des Kommu- nismus. Das Chemnitzer Himmelblau dagegen kennzeichnet allzu menschliche Eigenschaften des Gesichts: Bartstoppeln, Stirn- und Lidfalten, sowie das bewegte Kopfhaar. Im Innern angebracht ist eine goldene Partie um Augen und Mund, die an antike Krönungs- oder Totenmasken erinnert und mit Marx‘ Ideen kontrastiert. So übernimmt das Objekt seine Dekonstruktion gleich selbst und ist damit im bestmöglichen Sinne postmodern. Dazu passt auch der gestalterische Eingriff am Hinterkopf: Das gewaltige Marx-Hirn, das seine Ausdehnung bei Lew Kerbel unter einem kantigen Haarschopf verbirgt, wird hier freigelegt und auf feine, miteinander verbundene Stege reduziert. Die eigentlichen grauen Zellen fehlen im Innern – dennoch scheint sich ein  wahres Synapsengewitter in den Nervenbahnen zu vollziehen. Am Oberkopf wird eine weitere Öffnung sichtbar, die ebenfalls organisch angelegt ist. Sind es Blätter, die sich sanft zu einer Krone öffnen, oder eruptive Gedanken, die sich in einem lo- dernden Feuerkrater entladen? Und wie kann ein leerer Kopf überhaupt etwas hervorbringen? Weitere Öffnungen an Augen, Mund und Hals helfen die Intention des Künstlers zu entschlüs- seln: Der Kopf beinhaltet ein spielerisches Moment. Er ist kein gesockeltes Denkmal, sondern eine Maske. Im Zeitalter des Individualismus und vorgeblicher Authentizität kann eine solche Kostümierung, eine solche Maske durchaus kritisch gedeutet werden. Ihr haftet das Vorurteil der Stilisierung und Vereinfachung, des Geheimen und Okkulten, ja Kriminellen an. Als traurige Charaktermaske sah Karl Marx den Menschen in der Personifikation seiner ökonomischen Verhältnisse. Bei vielen Theaterformen auf der ganzen Welt, der Commedia dell’Arte oder der Peking-Oper war und ist sie jedoch probates Hilfsmittel, um in eine ganz bestimmte Rolle zu schlüpfen und eine Geschichte zu erzählen. Im Karneval oder beim Masken- ball wurden und werden damit Herrschende karikiert und Standesunterschiede überwunden. Als Gesichtsschutz oder Tarnung erfüll(t)en sie ihren Zweck in Gladiatorenkämpfen oder im Wrestling. Diverse Stammeskulturen nutz(t)en Masken zur Darstellung von Vorfahren oder Geistern oder für ihre Be- schwörung durch Schamanen. Bereits erwähnt wurden die wertvollen Goldmasken in der Antike, die den Rang der Person unterstrichen. Kurzum: Masken schränken vielleicht zunächst ein, bieten aber auch Möglichkeiten. Christoph Rammachers Marx-Maske ist auch deshalb so ent- waffnend, weil sie ihre innere Leere im Gegensatz zu Lew Kerbels ebenfalls hohlen Bronzekopf offen zu erkennen gibt. Der Prophet und seine Ideen sind nur tot, solange sich niemand des Kopfes bemächtigt. Allein das nobilitierende Erheben des Objekts vom Boden (oder die bewusste Ablehnung dieses Akts) kann eine sinnstiftende Geste sein, so sieht es der Künstler. Bereits skizzierte ästhetische Brüche sowie die Maß- stabverschiebung – der Kopf ist etwas größer als der durch- schnittliche menschliche Schädel – lassen dabei immer das Artifizielle der Situation aufscheinen. Äußere und innere Sicht wechseln sich permanent ab, ein Merkmal, das der Künstler für viele seiner Werke nutzt. Neben dieser perforativen Qualität kann die Maske auch als performatives Mittel gesehen werden. Unabhängig vom Künstler interagieren die Nutzer mit dem Ob- jekt, und mit anderen Nutzern. Dabei entspinnen sich Beziehungen des Vorher, Währenddessen und des Nachher. Die Welt durch die Augen von Marx erschließt sich, „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“ Der Schutz der Maske ermutigt aber auch zum Aussprechen ei- gener Meinungen. Der Künstler stellt so die Verbindung her vom Überbau des Marx-Kopfes zur Basis, also zum Ich. Endlich kann der denkende Marx auch zupacken und ist zu- mindest den Nutzern weniger entfremdet. Welche Botschaft nach diesem Erlebnis in die Welt getragen wird, bleibt offen. Christoph Rammacher hofft als politischer Mensch mindestens auf neue Visionäre für Chemnitz.
…ich zeige vor allem Skulpturen und aus aktuellem Anlass - 200. Geburtstag von Karl Marx, dem Namensgeber von Chemnitz zu DDR Zeiten: Karl-Marx-Stadt - meine Skulptur “Ohne Titel(Marx am Boden)”
…wie zu sehen ist, laufen die Vorbereitungen für meine Teilnahme an der Gruppenausstellung “CKB+VIER” im Chemnitzer Künstlerbund. Eröffnung am Dienstag, dem 17. April 2018, 19 Uhr.
Chemnitz